Studienabschlüsse in den
Gesundheitsberufen
Inzwischen
gibt es in Deutschland eine Reihe von Studiengängen in Berufen des
Gesundheitswesens. Fast ausnahmslos führen diese zum Bachelor-Abschluss.
Warum ein Studium - reicht denn die
"normale" Berufsfausbildung nicht?
Diese Frage wird
immer wieder gestellt.
Eine
Antwort: Im Ausland um uns herum werden diese Berufe fast
ausschließlich auf Bachelor-Ebene ausgebildet. Daher ist es für
Deutsche mit "nur" einem Berufsfachschulabschluss kaum möglich, im
europäischen Ausland und in "Overseas" in Ihrem Beruf zu arbeiten.
Das
bedeutet jedoch nicht, dass in Deutschland alles so bleibt wie es ist -
ganz im Gegenteil: Inzwischen ist auch hier alles "im Fluss"
Um das zu erklären,
muss man ein wenig ausholen.
Zwei Richtungen
bestimmen gegenwärtig die Bildungslandschaft im Gesundheitswesen:
1.
Der Bologna-Prozess
2.
Entwicklungen im Gesundheitswesen
zu 1. Bologna - Prozess
In
der Erklärung von Bologna im Jahre 1999 und in
den Nachfolgekonferenzen in Prag (2001), Berlin (2003), Bergen
(2005) und London (2007) haben sich die europäischen Staaten
zum
Ziel gesetzt, auch auf dem Felde der Bildung näher zusammenzurücken: So
sollen europaweit alle Studiengänge der Form und den Abschlüssen nach
harmonisiert werden. So sollen die Studiengänge in zwei
Studienzyklen aufgeteilt sein, die jeweils mit einer Prüfung
abgeschlossen werden. Der nach dem ersten Zyklus erworbene Abschluss
(undergraduate) bestätigt, dass man sich auf einer für den europäischen
Arbeitsmarkt relevanten akademischen Qualifikationsebene
bewegt. Der erste Zyklus schließt also mit
dem "Bachelor" und der zweite Zyklus mit
dem "Master" ab (graduate). Danach sind noch weitere Studien
möglich (Postgraduierten-Studium oder Promotion. Schon im Jahre 2010
sollen in Deutschland die meisten Studiengänge in dieser Weise
eingerichtet sein und die bisherigen Diplom-Studiengänge ablösen.
Wenn
Studienabschlüsse europaweit vergleichbar sein sollen, dann muss es
auch ein Instrument der Vergleichbarkeit geben. Dazu dient ein
Punktesystem, das European Credit Transfer System (ECTS). Die Zulassung
zu den Examina erfordert eine an allen Hochschulen gleich hohe Anzahl
an Credit-Points. Jede Lehrveranstaltung wiederum bringt eine Zahl von
Punkten, wodurch der Wert dieser Lehrveranstaltung mit den
Veranstaltungen aller anderen Hochschulen vergleichbar wird. Daher
können die Punkte auch an andere Hochschulen quasi "mitgenommen"
werden. Und das Gute daran: Zukünftig sollen auch Punkte aus
Fort-u.Weiterbildung in ein Studium mit eingebracht werden können.
Dahinter steckt die Idee des "lebenslangen Lernens".
Zusammenfassen lässt sich der
Bologna-Prozess wie folgt:
Ziele sind
- Schaffung
eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes mit im Niveau
vergleichbaren beruflichen Abschlüssen (erkennbar an den Credits nach
ECTS)
- Förderung
des lebenslangen Lernens durch abgestufte Bildungsprozesse bzw.
Abschlüsse: Bachelor als unterste akademische berufsqualifizierende
Ebene, Master, Postgraduierten-Studium bzw. Doktoranden-Studium
- Einbringung
von Credits auch aus nichtuniversitärer Bildung (Weiterbildung bis hin
zu beruflicher Erfahrung) in das Studium. In der Erklärung der
Kultusministerkonferenz von 2002 ist von bis zu 50 % die Rede
Konsequenz:
Veränderung des Studenten: nicht mehr nur jung und Vollzeitstudent,
sondern Student jeden Alters und berufstätig. Veränderung der
Universitäten: betreiben in erster Linie Forschung, Lehre kann auch an
anderen Orten mit anderen Mitteln oder von Universitäten im Lehrverbund
vertrieben werden, es könnte durchaus zu einem gewissen
Bedeutungsverlust der Hochschulen in Bezug auf Lehre kommen.
Mehr zum
Bologna-Prozesss finden Sie hier:
zu 2. Entwicklungen im Gesundheitswesen
Um aktuelle
Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen zu verfolgen, lohnt es
sich, ein Blick zu werfen auf das Gutachten 2007 des
Sachverständigenrates des
Bundesgesundheitsministeriums. Dort
haben die Sachverständigen unter dem Titel "Kooperation und
Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten
Gesundheitsversorgung" auf aktuelle Entwicklungen hingewiesen und
entsprechende Konsequenzen und Forderungen daraus formuliert:
Eine der
Kernaussagen:
Eine
Reihe von Entwicklungen im Gesundheitswesen (vom geänderten
Morbiditätsspektrum über geänderten Leistungsabrechnung über bis hin zu
veränderten Nutzerbedürfnissen) erfordert neue Formen der
Arbeitsprozesse, welchen die gegenwärtige Struktur nicht gerecht werden
kann. Nur so können die Aufgaben des Gesundheitswesens in der Zukunft
erfolgreich bewältigt werden.
Die Forderungen
daraus lauten konkret:
- Bessere
Arbeitsteilung zwischen allen Gesundheitsberufen, auch zwischen Ärzten
und nichtärztlichen Heilberufen. Damit verbunden ist zum einen die
verstärkte Einbindung nichtärztlicher Heilberufe in die Prävention und
zum anderen die Übertragung von ärztlichen Tätigkeiten auf die
Gesundheitsberufe und Verleihung einer größeren Handlungsautonomie,
z.B. beschränkte Verordnungsfähigkeit, an die Heilberufe
- Dies
erfordert allerdings eine Professionalisierung und daher eine
bessere und vor allen Dingen umfassendere Ausbildung dieser Berufe.
Dazu notwendig ist eine neues (Aus-)Bildungssystem in den Heilberufen,
das gekennzeichnet ist
-
- durch einen einheitlichen
Akademisierungsprozess auf der einen Seite
und
- durch Konzipierung unterschiedlicher
Ausbildungsniveaus
innerhalb der einzelnen Gruppen nichtärztlicher Heilberufe: Vom
nichtakademischen Basisbereich (Berufsfachschule) bis hin zur
Promotion.
Demnach soll es
nicht mehr nur d e n
Physiotherapeuten geben, sondern die Gruppe der
Physiotherapeuten mit den
- Physiotherapeuten
mit Berufsfachsschulabschluss - Behandler
- Bachelor-Physiotherapeuten
- mit beschränktem Verordnungsrecht
- Master-Physiotherapeuten,
Doktor der Physiotherapie - in der Lehre und Forschung tätig
Das Gleiche gilt
schließlich auch für alle anderen Therapie-Berufe und für die
Pflegeberufe.
Mehr zum Gutachten: http://www.svr-gesundheit.de/Startseite/Startseite.htm
Angebote zum Bachelor-Studium in
Deutschland
Neben
den Vollzeit-Studiengängen gibt es außerdem eine Reihe von
berufsbegleitenden Studiengängen und - besonders interessant!
-
von ausbildungssbegleitenden Studiengängen, sog. "Duale Studiengänge".
Die Forderung nach
Einbringung von Punkten (Credit-Points) aus Beruf und
Weiterbildung macht das möglich.
Ein
dualer Studiengang läuft im Prinzip so ab: Bereits während der
grundständigen Berufsfausbildung an der Berufsfachschule besuchen die
StudentInnen Veranstaltungen der Fachhochschule. Nach der Beruflichen
Abschlussprüfung an der Berufsfachschule beginnt das "Bachelor-Jahr" an
der Fachhochschule. Dieses kann, je nach Studienangebot, entweder
berufsbegleitend oder im Vollzeitstudium absolviert werden. Das
Bachelorjahr kann zwischen einem und anderthalb Jahre dauern.
Neben deutschen
Fachhochschulen sind auch ausländische Institute in Deutschland tätig,
die mit Berufsfachschulen kooperieren.
Die Studiengänge sind meist kostenpflichtig.
Aber auch hier greifen die üblichen Finanzierungsinstrumente
Hier
finden Sie Listen zu den Studienabgeboten in Deutschland
Studium Ergotherapie
- Studium
Logopädie - Studium
Physiotherapie:
Insgesamt zum Studium: Organisation Studierender
und ehemaliger Studierender therapeutischer Gesundheitsberufe e.V. - OSGe e.V.
